Zur Grundausstattung eines jeden Pfarrers gehört der Primizkelch. Dieser nimmt im Leben eines katholischen Priesters einen hohen Stellenwert ein, weil mit diesem Kelch die allererste Messe, die Primiz, gefeiert wird. Oft schenkt eine Kirchengemeinde ihrem Neupriester diesen Kelch, damit sie ihn an seine Heimatkirchengemeinde erinnert. Bei dem gebürtigen Wörter Hubert Wolf, der 1985 zum Priester geweiht wurde, waren es vor allem die Verwandten und Bekannten, die Gold und Silber sammelten und damit die Finanzierung seines Primizkelches ermöglichten. Anselm Wolf, ein Cousin des Vaters von Hubert Wolf, Rupert Wolf, hatte diesen Kelch in Schwäbisch Gmünd angefertigt.

Bei einem Einbruch im Haus von Hubert Wolf 2015 in Münster/Westfalen, wo er als Professor für mittlere und neue Kirchengeschichte arbeitet, wurde dieser Kelch gestohlen. Die Täter wurden zwar gefasst, aber der Kelch war bereits zerstört und vermutlich eingeschmolzen worden. Der Priester Hubert Wolf ließ sich deshalb einen neuen Messkelch anfertigen. Er entstand nach seinen Ideen und wurde von Andreas Jurowski in der Gold- und Silberschmiede der Abtei Münsterschwarzach gefertigt.

Das Primizbild Wolfs im Jahr 1985 war eines der bekanntesten Bilder des Malerpfarrers Sieger Köder: „Das Mahl mit den Sündern“. „Mit wem würde sich heute Jesus an einen Tisch setzen“, fragte sich damals Köder. Und so sitzt der nicht sichtbare Jesus am Tisch mit sieben Randpersonen der Gesellschaft: Ein Jude, dessen Volk so oft verbrecherisch behandelt wurde. Neben ihm eine Dirne, der sich Jesus angenommen hat. Dann eine Bettlerin, ein Mensch, den man heute am liebsten von den Straßen verbannen möchte. Gegenüber dem Tischherrn ein Narr – will man einen Verrückten an seinem Tisch haben? Links vom Narren ein intellektueller Skeptiker, der vielleicht nicht glauben kann oder will? Daneben eine reiche Dame, bei der man nicht nach den Armen fragt und schließlich ein Verwundeter mit schwarzer Hautfarbe: immer noch – und ganz aktuell – macht ein Fremder vielen Menschen Angst.

Diese Idee hat Professor Wolf aufgenommen und aktualisiert: Neben dem Narren, der Dirne und einem Professor befinden sich eine Fixerin, ein Flüchtling, ein Punker und ein Schläger auf dem neuen Kelch. Damit möchte Wolf zeigen, um was es der heutigen Kirche gehen muss. Wolf befindet sich damit in enger geistiger Verwandtschaft mit Papst Franziskus, der eine Kirche der Barmherzigkeit möchte und jeden Monat in Rom und Umgebung eine Einrichtung besucht, in der solche Menschen leben.

Der Weihegottesdienst am Sonntag, dem 18. November 2018 in der Pfarrkirche St. Nikolaus in Wört beginnt um 09:30 Uhr. Hauptzelebrant wird der emeritierte Rottenburger Weihbischof Dr. Hans Kreidler sein. Konzelebranten sind Prof. Dr. Hubert Wolf, der frühere Wörter Seelsorger Pfr. i.R. Hermann Borhauser, Pfr.i.R. Manfred Schlichte sowie Diakon Uwe Renz, lange Jahre Pressesprecher des Rottenburger Bischofs Gebhard Fürst.